Germany reloaded – welcome to the real world

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Nun sind beinahe zwei Monate vergangen, seitdem ich wieder in Deutschland bin.
Mein Ankommen war erst mal vom Abschied nehmen von meinem Vater gekennzeichnet. Wir hatten noch eine schöne, tiefe Begegnung – für die ich sehr dankbar bin! – und 5 Tage später ist er für immer gegangen. Ein emotionaler Prozess des Loslassens, des Gewahrwerdens nun “in erster Reihe” der Ahnenfolge zu stehen….und auch viel Unterstützung notwendig für meine fast blinde Mutter, für die es nach 60 Jahren beinahe 24/7 beieinander Sein nun eine Riesenumstellung ist. Viermal bin ich bereits zwischen München und Darmstadt hin und her gependelt. Als ich am Tag seines Todes im Zug nach Darmstadt sass, hatte ich den Impuls eine Rede bei seiner Beerdigung zu halten, die ich trotz grosser innerer Bewegtheit tatsächlich vortragen konnte, und das war gut so!
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Ansonsten bin ich erst mal bei einem Freund in Oberhaching – 15 km südöstlich von München – untergekommen. Erst meinte er es sei nur erst mal vorüber gehend, so zum Ankommen….aber da es so super läuft und wir beide ein entspanntes Männer-Miteinander geniessen, hat er den Deal auf Open-End verlängert…
Ich habe mich Anfang Mai arbeitssuchend gemeldet, obwohl mir sehr deutlich geworden ist, dass ich gar keinen Vollzeit-Angestellten-Job suche. Ich will irgendwas selbständiges machen….Ideen habe ich genug… Fähigkeiten auch….da wird schon was gehen….zumal ich keine grossen materiellen Ansprüche habe. Im Gegenteil: Die Rückkehr in die materielle Welt in Deutschland mit so viel Beschäftigung mit toter Materie stresst mich….ich sehne mich wieder nach dem einfachen, naturnahen Leben mit wenig Dingen….dafür aber menschlichem Begegnungsreichtum.
Ich konkretisiere gerade meinen ersten Auftrag als Event-Manager. Ein Freund von mir ist Professor an der Uni und richtet 2018 einen grossen wissenschaftlichen Kongress mit allem drum und dran aus. Und ich glaube, das taugt mir und ich traue mir das auch zu – er mir auch und das ist eine gute Voraussetzung für eine erste Referenz. Weitere Aufträge sind schon im Gespräch.
Was formal so alles zu beachten ist beim Übergang in die Selbständigkeit, das lerne ich gerade bei einem Existenzgründer-Workshop, den mir die Agentur für Arbeit sponsort. Das ehemalige Arbeitsamt versorgt mich auch ausreichend mit finanziellen Mitteln, schränkt mich allerdings auch in meiner Freiheit ein, da es gewisse Auflagen gibt.
Eine Bekannte von mir hat gerade ein Freelancer-Durchstartprogramm auf, das ich als Coachingmöglichkeit genutzt habe.
Freunde von mir eröffnen Ende Juni die Mutmacherei und sind bei den Weggefährten des Wandels aktiv, einer alternativen Unternehmensberatung in die ich mich evtl. mit meiner Change-Management-Erfahrung einklinken kann. Der Text auf der Website klingt poetisch vielversprechend:
“Die „Weggefährten des Wandels“, sind ein nur scheinbar vom Zufall bunt zusammengewürfelter Haufen von einäugigen Sehern, verwilderten Poeten, hinkenden Giganten, Königinnen, die zu Piraten wurden, zaubernden Kindern, deren Seelen viele Flicken tragen und Weisen, die den Finger in die Luft halten, um zu warten aus welcher Richtung der Rückenwind bläst.”
Möglichkeiten online Geld zu verdienen als technischer Übersetzer, Texter, Website-Ersteller habe ich auch genügend in der Hinterhand. Aber das, was mir gerade so spielend zufliegt, ist erst mal genug und könnte mir schon eine Existenz sichern.
Ansonsten habe ich mir einen VW-Caddy gekauft, den ich mir zum Schlafwagen ausgebaut habe….a bisserl Zigeunergefühl muss schon noch sein…
Und ich habe einige Gemeinschaftsprojekte in Europa ausgecheckt und interessanterweise führt die heisseste Spur derzeit in die Oberpfalz, in der Nähe der tschechischen Grenze: http://www.nature-community.de. Das erste Bauchgefühl war gut und ich werde im Juli möglichst viel Zeit dort verbringen, um zu schauen, ob ich dort meine Basisstation in Deutschland aufschlagen möchte. Meine Vision von Gemeinschaft ist bereits sehr klar und ich kann dadurch abgleichen, wo ich am meisten davon umsetzen kann.
Im August/ September will ich aber auch noch Portugal und Spanien auschecken, da mir dort das Klima angenehmer scheint, als nördlich des bayerischen Walds….Tamera und Valle de Sensaciones stehen auf dem Programm. Beide nicht zum dort wohnen, aber zum weiteren netzwerken. Mein Caddy-lac  und ich sind reiseferig.
Ich hoffe bald formal die Selbständigkeit durch zu haben. Dann kriege ich auch noch mindestens 6 Monate Unterstützung in Form von Arbeitslosengeld, muss aber nicht mehr vor Ort in München sein (eine Schikane, an die ich mich eh nicht halte…) und muss mich auch nicht mehr bewerben (ich mache derzeit so einige halbwegs abschreckende Bewerbungen um der Form zu genügen…)
Mein Storage-Lager habe ich aufgelöst: Es war ein Gefühl wie Weihnachten. So viele Sachen, von denen ich meist vergessen hatte, dass ich sie besitze und mir nicht so sicher bin, ob ich sie wirklich noch brauche. Viele Sachen sind aber noch im Freundeskreis verteilt und wenn es logistisch möglich ist, dann hole ich sie erst ab, wenn ich weiss, wo ich meine Basis haben werde.
Privat treibe ich mich auf vielen Festivals herum und besuche Veranstaltungen zum Thema Gemeinschaft, Tanzen, Mantra, Tantra….also das übliche, aber diesmal anders als auf der Reise meist mit schönen Wiedersehens-Begegnungen verbunden. Und dann gibt es auch etliche Freunde, die ich einfach so treffe und mich austausche. An die meisten Kontakte kann ich einfach so anknüpfen, als ob ich nie weg gewesen wäre – das ist schön.
Mein Leben hat sich wieder enorm verdichtet, mein Terminkalender ist nach zwei Jahren Leere schon wieder ganz gut gefüllt. Ich bin zwar manchmal ziemlich müde vom Leben in der Stadt und von den ganzen Aktivitäten, aber oft trägt mich auch die Begeisterungswelle des Neuen. Auf jeden Fall möchte ich mir die Freiheit und Selbstbestimmtheit erhalten und auch unverplante Mussestunden zum einfach SEIN frei halten.
Ich bin zurück in Deutschland, aber ich habe mich verändert und es gibt kein Zurück mehr in die alte Routine. Es ist spannend mein Leben neu zu gestalten, ich fühle mich geführt und getragen und bin bereit ohne Angst mutig meine nächsten Schritte zu gehen.

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Comments

  • Kathrin sagt:

    Ach, das hast Du aber schön gemacht mit der Rede. Ich freue mich dass Du uns zum “entwöhnen” nochmal was geschrieben hast. Und wenn es auch weniger häufig zu einem neuen Eintrag kommt, ich freu mich und les ihn!

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