Nicaragua – viva el Che!

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Irgendwann am späteren Abend bin ich dann schliesslich doch angekommen in Managua. Am Flughafen eine ziemlich aufdringliche Taxi-Mafia, aber abends um 10 war es mir zu unsicher ein Taxi auf der Strasse zu stoppen. Immerhin habe ich durch zähes Feilschen einen guten Preis rausgehandelt..

Zur Stadt gibt es nichts besonderes zu bemerken. Ausser, dass man abends ein bisschen aufpassen muss, wo man spazieren geht. Einerseits Armut, anderseits burger king und shopping malls. Aber freundliche, lebensfrohe Menschen….

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Am nächsten Tag fahre ich weiter Richtung Ometepe Island, wo ich mindestens 10 Tage in einer öko-spirituellen Gemeinschaft sein werde.

Die Busfahrt von Managua zum Hafen dauert gut 2 Stunden und ist dank einer netten Sitznachbarin recht kurzweilig. Sie hat den gleichen Weg wie ich – eine Freundin von ihr feiert dort Geburtstag. Wir unterhalten uns nett und flirten auch ein wenig ;-)

Am Hafen herrscht ziemliches Chaos. Wegen starken Windes sind ein paar Stunden keine Fähren gefahren und entsprechend lang sind die Schlangen. Aber es kann nun doch weiter gehen. Mist: Das erste Boot ist voll! Gerade mal 4 Personen vor uns, bremst die Schlange – rien ne va plus… Aber in 40 min soll das nächste gehen. Und das in ein Glück! Denn das erste Boot, das total überfüllt ist muss noch einen LKW mitnehmen und lange und aufwändig rangieren, so dass unser Boot schliesslich sogar als erstes ablegt. Ich kann mir die Schadenfreude nicht ganz verkneifen und winke den Leuten auf dem anderen Boot freundlich zu als wir vorbei fahren, aber niemand winkt zurück – komisch…! ;-)

Alle Nicaragua-Klischees werden bedient, als ich den Namen der Fähre lese: Che Guevara! Als Pazifist ist mir zwar das Motto “Fighting for peace is like fucking for virginity” sympathischer, aber ich kann dennoch eine gewisse Faszination für diese historische Persönlichkeit nicht verleugnen.

Gute Stimmung auf dem Boot, hoher Seegang, Leute mit Gitarre. Ich lerne noch ein deutsches Mädel kennen, die einen Tipp hat für ein Hostel und wir finden dort beide noch ein Zimmer. Beim gemeinsamen Abendessen unterhalten wir uns gut – ein schöner Abend! Gut, dass wir vor dem anderen Boot ankommen, denn dort sind ganz viele Backpacker und die haben vielleicht jetzt Schwierigkeiten eine Bleibe zu finden. Unser Hostel ist jedenfalls sofort nach der Ankunft der zweiten Fähre ausgebucht…

Sonntags scheinen die Busse nur sehr unregelmässig oder nach Lust und Laune zu fahren. Aber gerade verdichten sich die Gerüchte, dass heute nachmittag noch ein Bus fährt. Vom Inanitah kann mich heute wohl niemand abholen, aber wenn ich die richtige Abzweigung finde, dass sind es angeblich nur 20 min zu laufen. Mit meinen 30 kg Gepäck vielleicht ein bisschen mehr, aber machbar…

Ich bin gespannt!

 


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Unterwegs nach Nicaragua – terra incognita

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Es gibt doch tatsächlich noch die eine oder andere Gegend auf der Welt, wo ich noch nicht war: Mittelamerika!

Und es gibt Lieder, die mir immer wieder Gänsehaut machen und eine Sehnsucht wecken. Wie die Gruppe Guardabarranco aus NIcaragua. Seitdem ich Ende der 90-er Jahre deren Musik entdeckt hatte, machte es mir Lust dieses Land einmal zu besuchen. Und jetzt bin ich auf dem Weg dorthin!

Und dann war es in der linken Szene früher auch mal schick den real existierenden Sozialismus in diesem Land zu unterstützen. Fairer Handel, solidarische Arbeitseinsätze…Freunde, die damals dort waren und erzählten…

Die Sicherheitslage scheint ok zu sei, der Tourismus noch nicht massenhaft, das Preisniveau ok. Honduras und San Salvador sind noch eher unsicher zu bereisen und Costa Rica und Panama schon übererschlossen und auf US-amerikanischem Preisniveau. Also auf nach Nicaragua!

Die Hinreise gestaltet sich jedoch als etwas sperrig: Der Flug ab Santiago geht schon um 7:15 Uhr und der erste Bus fährt erst um 5 Uhr ab Innenstadt, d.h. etwas zu knapp. Also habe ich einen VIP-shuttle über internet gebucht, den mir meine Gastgeber zudem empfohlen haben. Kostet 25 Dollar, aber immerhin freue ich mich, dass mir für die erste Buchung 10 % Rabatt gegeben werden. Die angkündigte E-Mail-Bestätigung kommt allerdings nicht, der Rückrufservice funktioniert nicht und das Callcenter ist schwer erreichbar. Aber ich erfahre, dass mit der Abholung um 4:30 Uhr alles ok geht.

Roberto kommt extra noch im Schlafanzug anspaziert und lässt es sich nicht nehmen mich um diese Zeit noch persönlich zu verabschieden. Um 4:37 Uhr ist noch kein Taxi da. Ich rufe die hotline an und erfahre, dass diese erst ab 7 Uhr besetzt ist. Was tun? Ich beginne etwas nervös zu werden, denn ich solllte eigentlich um 5 am Flughafen sein. Ich habe auf dem Handy die Uber-App mit privaten Taxis, sehe auch das welche in der Nähe sind und als ich gerade buchen will, klingelt es und der verspätete VIP-Service ist da. Der Fahrer gibt Gas und kompensiert die verlorene Zeit, so dass wir schon um 5:05 Uhr dort sind.

Beim Einchecken besteht der Angestellte jedoch drauf, dass ich ein Rück- oder Weiterflugticket haben muss. Nach meiner Recherche muss ich keines haben. Das war speziell ein Grund warum ich gezielt nach Flügen nach Managua geschaut habe, und nicht ins nahe Costa Rica. Dort wird nämlich zwingend ein weiterführendes Ticket verlangt.

Es ist 5:30 Uhr, bis gegen 6 Uhr sollte ich am Gate sein und muss noch durch Immigration und Securitycheck. Der Angestellte lässt sich nicht erweichen, ich müsse zumindest ein Busticket in ein Nachbarland haben. Aber ich finde auf die Schnelle keine Website, wo ich das mit sofortiger Buchungsbestätigung erledigen kann. Die Zeit läuft….., was tun?

Also gut, dann buche ich jetzt eben einen Flug nach Deutschland, suche nach der günstigsten Option von Costa Rica nach München, nehme noch die flexible Umbuchungsmöglicheit dazu und habe mein Ticket mit Condor. Haarscharf läuft das auch mit Immigration und Security, so dass ich am Gate bin, als gerade das Boarding beginnt. Uff, geschafft!

In Lima hänge ich dann aber erst mal fest. Der Flieger aus Buenos Aires zum Weiterflug nach El Salvador ist wegen eines Gewitters mehr als eine Stunde verspätet. Dumm, dass der Anschluss dort auf lediglich 45 Minuten bemessen war. Also habe ich 2,5 Stunden in Lima und derzeit, als ich das schreibe – 6 Stunden Aufenthalt in El Salvador. Ach wie schön wäre es jetzt schon im Hostel zu sein, mich frisch zu machen, einen Bummel durch die Stadt zu machen, ein paar Erledigungen, lecker essen gehen… Stattdessen sitze ich in einem Flughafenrestaurant, für das ich immerhin einen Essensgutschein bekommen habe.. Grummel…


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Reisekosten Chile

Hier kommt die Ausgabenübersicht für Chile

Durchschnittlicher Tagessatz für Unterkunft, Essen, Transport, Eintrittsgelder:

35 EUR x 37 Tage = 1286 EUR (gerundet)

Extras: Keine

Dies entspricht 1050 EUR / Monat und liegt somit etwa auf dem Niveau Perus. Allerdings habe ich in Chile gut 2 Wochen bei Verwandten und Freunden gelebt, was die Ausgaben drastisch gesenkt hat, da ich kaum eine Chance hatte den eigenen Geldbeutel zu zücken. Tatsächlich liegt Chile in etwa auf dem Niveau Argentinien, d.h. ca. auf europäischem Niveau.

Unterkünfte und Transport sind eher etwas günstiger als in Argentinien, aber es spielt eine grosse Rolle, ob man zur Hauptferienzeit unterwegs ist. Chile im Februar besser meiden!

Hotels und Essen gehen waren in Chile budgetmässig nur ab und zu drin. In kleinen abgelegenen Orten war jedoch beides, im Gegensatz zu Argentinien, durchaus bezahlbar.


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Was mich an Chile nervt

Chile ist ein Autoland. D.h. ohne ein solches ist man weitgehend aufgeschmissen. Shopping-Malls, gute Strassen, drive-ins – in Zentralchile mutet es schon fast US-amerikanisch an. Und ansonsten sind die Entfernungen einfach sehr gross, die schönen Ziele sind abgelegen und es fahren nur selten Busse.

Und Chile erschliesst sich vor allem in den naturbelassenen, kaum erschlossenen Gegenden. Dort kann man wunderbar in die Wildnis eintauchen, wenn man ein eigenes Gefährt hat.

Bisweilen sind noch etwas militärische Strukturen sichtbar, etwa bei der Polizei. Das macht das Land relativ sicher, aber es fehlt mir bisweilen etwas die kritische Distanz zu den Zeiten der Militärdiktatur.


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Was ich an Chile liebe

Chile hat eine tolle landschaftliche Vielfalt und es gibt – anders als in Argentinien – kaum Abschnitte die landschaftlich über längere Strecken eintönig wären, ausser vielleicht im Norden, wenn man die Panamericana durch die Atacama-Wüste fährt.

Dadurch das es nie weit bis in die Berge oder ans Meer ist, beeindruckt die Landschaft meistens durch tolle Kontraste. Und zumindest im Süden ist es sehr grün, weil es auch im Sommer immer mal wieder regnet.

Chile hat einen guten Grad an Organisiertheit. Die Dinge funktionieren im allgemeinen recht gut und Auskünfte sind verlässlich. Nicht unbedingt vergleichbar mit Mitteleuropa, aber dort ist für meinen Geschmack eher überstrukturiert.

Die Leute sind etas kühler als in Argentinien. Der starke deutsche Einfluss macht sich vor allem im Süden bemerkbar. Ich habe jedenfalls eine grosse Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bemerkt

 


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La familia chilena – bienvenido a Santiago!

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Antizyklisches Verhalten ist nicht nur an der Börse gut. Im Februar nach Santiago zu fahren, wenn die halbe Bevölkerung Urlaub am Strand oder in den Bergen macht, zahlt sich aus. Santiago leer – alles andere voll! Wie Paris im August.

Wie entspannt es sich anfühlte bei meiner Cousine in Buin anzukommen. Auf dem Land, eine halbe Stunde südlich von Santiago. Maritza ist mit ihren 81 Jahren noch richtig fit, in jeglicher Hinsicht. Nachdem ihr Mann verstorben ist lebt sie auf ihrem 5000 m2 Grundstück alleine mit ihren Hunden. Eine Oase der Ruhe mit Swimmingpool und allen möglichen Obstbäumen die reiche Frucht tragen. Ihre Kinder und Enkel leben jedoch alle im Grossraum Santiago, so dass in der Regel zumindest am Wochenende full house ist. Der Famileinzusammenhalt in Südamerika ist viel intensiver als in Deutschland üblich. Und es ist schön als Teil dieser Familie willkommen zu sein und höchst gastfreundlich aufgenommen zu werden.

Maritza hat eine interessante Lebensgeschichte. Ein Halbbruder meines Vater (übrigens auch ein Ingenieur, genau wie ich) war in den 20-er und 30-er Jahren viele Jahre in Chile und auch lange Zeit im argentinischen Süden, in der gleichen Gegend wie seine Schwester (deren Nachkommen ich in Argentinien besucht habe). In Chile verliebte er sich und Maritza kam auf die Welt. Als sie viereinhalb war, wollte er nur eben noch mal kurz nach Deutschland, um seine Sachen zu regeln, zurück zu kehren und wohl die Mutter seiner Tochter zu heiraten. Es war 1939…… Hitler zettelte diesen furchtbren Krieg an und er konnte nicht mehr zurück und wurde stattdessen zur Wehrmacht eingezogen. Der Kontakt nach Chile brach abrupt ab, es vergingen viele Jahre und dann kam alles anders. Die Welt dreht sich weiter – Krieg und Gefangenschaft prägen einen und er kehrt dann nicht mehr nach Chile zurück In den 70-er Jahren macht Maritza ihren Vater ausfindig und er sagt er hätte die ganze Zeit immer wieder ans Zurückkommen gedacht. Das Kinderfoto von ihr hätter er all die Jahre in seiner Brieftasche aufbewahrt und ihre Mutter sei die Liebe seines Lebens gewesen. Ihre Mutter sagt von ihm das Gleiche. Wie tragisch, dass disese Liebesgeschichte keine Fortsetzung fand! Mein Halbonkel sorgte aber immerhin dafür, dass Maritza auf eine deutsche Schule gehen kann und sie spricht auch heute noch akzentfrei deutsch, auch wenn sie neumodische Ausdrücke nicht auf deutsch weiss. Egal, Hauptsache sie hat schnelles Internet, auch wenn es bei ihr über fibra optica und nicht über Glasfaserkabel funktioniert. Und andere Ausdrücke wirken dann liebenswürdig antiquiert, z.B. wenn sie vom Schutzmann statt vom Polizisten redet…

In Gesprächen haben wir durchaus unsere Gegensätze. Ihr ist es wichtig immer wieder zu betonen, dass es unter Pinochet alles ganz prima funktioniert habe und dass Allende das Land ins Chaos geführt hätte. Sie wollen 1973 schon auswandern, hatten bereits Tickets gekauft und alles organisiert. Aber dann kam der Putsch und sie entschieden sich doch zu bleiben. Als Ende der 80-er Jahre eine Tochter als Studentin im Widerstand gegen die Militärdiktatur war, hing wohl der Haussegen mitunter schief, aber andererseits hat sie auch Freunde, die bekennende Kommunisten sein. “Man dürfe halt nur nicht über Politik reden”…

Einmal überrascht sie mich mit Musik von Konstantin Wecker, den sie genauso mag wie ich. Und der ist ja auch ein Revolozzer und kein Freund der Miliärs… Sie hört auch Ramstein, die toten Hosen und die Prinzen ;-)

Direkt in Laufentfernung vom Anwesen grenzen berühmt Weinbaugebiete an. Ich ergreife die Gelegenheit und besuche eine Bodega, die immerhin 60 Millionen Flaschen im Jahr produziert:

Nach einer Woche heisst es Abschied nehmen. Eine Tochter hat sie eingeladen mit ihrer Familie zusammen in den Süden zu fahren. Ich hätte mich auch anschliessen können, aber ausgerechnet Pucon hat mich nun doch nicht so recht gezogen.

So ziehe ich zu Roberto um, der in Santiago wohnt und meinem Vater verblüffend ähnlich sieht. Er war lange Geschäftsführer in der Telekomunikationsbranche und versucht gerade als Selbständiger Fuss zu fassen, was gar nicht so einfach ist. Eine herausfordernde Situation, zumal er – verglichen mit deutschen Massstäben – einen recht gehobenen Lebensstil pflegt und seine beruflichen Bemühungen noch nicht so viel einbringen wie er eigentlich bräuchte. Eine Wohnung in einer guten Lage in Santiago, jedes Familienmitglied hat sein eigenes Auto (er selbst einen grossen Mercedes), eine Hausangestellte, die 5 Tage die Woche kommt und sogar mittags ein vorzügliches Menü kocht. Auch hier bin ich von der Gastfreundschaft dankbar beeindruckt und wie ich als Teil der Familie aufgenommen werde. Gerne würde ich mich ja auch irgendwie beteiligen, erkenntlich zeigen, aber ich bekomme keine Chance meinen Geldbeutel zu zücken. Am Sonntag machen wir einen netten Ausflug ans Meer, essen in einem tollen Seafood-Restaurant, schauen und eine ehemalige Walfangstation an und holen uns einen Sonnenbrand am Strand:

Zwischendurch besuche ich noch Freunde in der Nähe von Valparaiso – ein junges Paar, das ich vor zwei Jahren auf Hochzeitsreise in Kolumbien kennen gelernt habe. Mittlerweile haben sie einen dreimonatigen Sohn, der ebenso wie sie selbst einen glücklichen und zufriedenen Eindruck macht. Ich bleibe zwei Nächte und es gibt wieder nette Ausflüge und ein Asado am Meer, im Haus seiner Eltern….Cristians Eltern sind auch sehr nett, über den Vater bekomme ich tiefe Einblicke in den speziellen chilenischen Humor und die Mutter ist Hobbymalerin – aber auf sehr hohem Niveau, die Bilder sind klasse!

Und ich lerne speziell chilenische Ausdrücke. Mein Lieblingswort ist “te tinca?”. Das heisst einerseits “hast du Lust drauf”, aber auch mit einem touch von “was sagt deine Intuition, dein Bauchgefühl dazu?”

Aber so langsam wird es Zeit weiter zu ziehen. In Chile möchte ich im Februar nicht weiter herumreisen und meine grosse Reise in den Tropen ausklingen lassen. So werde ich am 19.02. nach Nicaragua fliegen und mich mindestens 10 Tage in einem Öko-Spiri-Projekt aufhalten. Ich bin schon gespannt, was ich dort lernen und erfahren werde. Es kann sein, dass ich dort weg vom Internet bin. Aber keine Angst – ich bin nicht verschollen, sondern hier.

 


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Pucon – eine kleine Horrorgeschichte

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Es gibt wohl tatsächlich Leute die Pucon mögen, sogar zur Hauptsaison. Zumindest hatte ich vorher einiges positives davon gehört und die Beliebtheit des Ortes spricht ja auch für sich.

Meine Erfahrungen mit Pucon – 5 Stunden nördlich von Puerto Varas – waren jedoch eher gruselig.

Ich hatte vorher eine Unterkunft gebucht in einem Eco-Hostel, etwas ausserhalb des Ortes. Ich erhoffte mir etwas mehr Ruhe als im Ortskern und eine ähnlich gute Vibration wie in Cochamo. Als ich spätabends dort ankomme und man mir die Unterkunft zeigt, wäre ich allerdings am liebsten wieder umgedreht: Ein enges Wellblechkabuff mit dünnen Holzwänden, wo man auf 6 m2 zwei wackelige, alte Doppelstockbetten hinein gepfercht hat. Darin zwei angetrunkene Gestalten aus UK und USA. Das “Zimmer” hat ungefähr den Charme eines Kellerabteils im einem deutschen Mietshaus. Für 12 Personen gibt es gerade mal eine Dusche und eine Toilette und das 20 m entfernt über den Hof laufend, der lediglich aus grauen Steinchen besteht – kein Grün, die Atmosphäre eines Gewerbegebietes. Die Trennwände zu den anderen Kabuffs sind so dünn, dass man jeden Atemzug des Nachbarn mtbekommt. Direkt gegenüber haben junge Leute ein Haus gemietet und feiern bis ca. 3 Uhr Party. Meine Zimmergenossen schaffen es irgendwann trotzdem einzuschlafen, denn beide schnarchen wie ein Sägewerk. Trotz Ohropax, gelingt es mir nicht einzuschlafen. Als ich dann gerade ein wenig geschlafen habe, laufen lautgrölende Menschen am Hostel vorbei und immer wieder Autos mit voll aufgedrehter Musik. Später erfahre ich, dass sich am Ende der Strasse eine beliebte Disko befindet, die so gegen 4 Uhr schliesst. Zu allem Überfluss gibt es im Hostel einige Hunde und auch in der Nachbarschaft, und die schlagen jedes Mal Alarm, wenn mal wieder eine Horde Besoffene vorbei zieht. Zum Glück sind meine Zimmergenossen schon um 6 Uhr zu einem Ausflug weg und dann wird es auch auf der Strasse ruhiger. Endlich kann ich noch ein paar Stündchen schlafen und wache gegen 10:30 Uhr auf, ziemlich gerädert.

Ich will hier weg!!! Soviel ist klar. Um 11 Uhr ist checkout, also reicht mir das gerade noch.

Allerdings komme ich nicht so einfach weg. Die beharren doch tatsächlich auf 50 % Stornogebühren. Und da ich gleich zwei Nächte reserviert hatte, habe ich ein Problem. Ich bin stinksauer. So etwas ist mir in ganz Südamerika noch nicht passiert. Pläne werden ständig geändert und niemand kommt auf die Idee auf irgendwelchen Gebühren zu bestehen, allenfalls vielleicht wenn man gar nicht anreist. Aber wenn man einen Tag kürzer bleiben will? Nun ja, die Besitzerin ist eine Deutsche. Und Deutsche können ja stur mit Regeln sein – fürchterlich! Da kann auch die nette Brasilianerin an der Rezeption nichts dafür: Sie muss die Regeln durchsetzen. Ich treffe noch zwei andere deutsche Mädels, die für 5 Nächte gebucht haben und auch nur noch weg wollen. Sie beissen in den sauren Apfel und zahlen die Stornogebühren: Keine Nacht länger hier… Eine andere Deutsche ist da, die erzählt, dass sie jetzt drei Tage dort ist und sich diese Stories jeden Tag abspielen. Nach einigen Diskussionen bietet man mir zumindest ein Einzelkabuff an für den gleichen Preis und ich akzeptiere.

Ich mache mich auf zu Thermalquellen in der Nähe, nur 30 min entfernt. Der Busfahrplan, den das Hostel hat, ist allerdings veraltet. Ich hetze mich ab, um zur Haltestelle zu kommen und warte dann doch 45 min. Die Fahrt dauert fast zwei Stunden, da so viel Verkehr ist….. Die Thermen  sind dann ganz schön und sie sind zwar gut besucht, aber es ist noch erträglich:

Die Rückfahrt ist dann ein einzige Desaster: Der Bus kommt mit mehr als 30 min Verspätung, ist überfüllt so dass es nur Stehplätze mit Kuschelfaktor gibt und dann ist 10 km vor Pucon Schluss: Stau….rien ne va plus. Für die nächsten zwei Kilometer brauchen wir 40 Minuten. Eingepfercht im Bus, heiss, stickige Luft und Latino-Techno-Musik. Mir reicht es! Ich beschliesse zu laufen…..8 km an der Autoschlange entlang. Ich brauche zwar joggend fast eine Stunde, aber bin immer noch viel schneller als wenn ich im Bus geblieben wäre. Es ist schon dunkel als ich im Hostel ankomme. Ich habe keine Lust mehr zu kochen – besorge mir auf dem Weg im Supermarkt eine Fertiglasagne für die Mikrowelle und eine grosse Flasche Bier, die ich esse während im Haus gegenüber gerade wieder die nächtliche Party mit lauter Musik losgeht.

Da ich befürchte, dass es im Ortszentrum auch nicht viel besser ist, beschliesse ich doch noch eine weiter Nacht zu blieben, obwohl ich nun für das Einzelkabuff noch mal 35 % mehr zahlen muss. 20 Dollar dafür sind eine Frechheit. Aber ich will doch gerne noch etwas von der angeblich so schönen Umgebung von Pucon sehen. Und so miete ich mir ein Fahrrad, um dem Stau zu entgehen.

Ich frage dann interessehalber im Hostel nach, warum es eigentlich Eco-Hostel heisst. Es wäre doch sehr viel Blech und Plastik verbaut, ich sehe keine Solaranlage, Regenwassernutzung, Komposttoiletten oder zumindest einen grünen Garten. Sie hätten Wasserspargeräte angebracht und eine umfangreiche Mülltrennung – na toll! Ansonsten ist das Hostel zugepflastert mit Schildern mit Verhaltenstipps zum ökologischen Sparen. Und zwar so viel und penetrant, dass es wie eine deutsche Öko-Diktatur-Satire wirkt….

Der angebliche Mountainbike-Trail, ist dann dummerweise auch für Autos befahrbar und ich werde alle paar Minuten kräftig eingestaubt, aber immerhin gibt es recht nette Landschaft, Wasserfälle und einen See. Die Wasserfälle sind allerdings überfüllt und am See fahren ständig Leute mit jetski herum, so dass keine Ruhe herscht. Also auch nicht der Hit, aber zumindest habe ich jetzt mal etwas von der Umgebung gesehen.

Die Vulkantour spare ich mir: 120 Dollar für einen Tagestrip sprengen mein Budget.

Ich gehe abend noch essen – lecker peruanisch! – aber überteuert und besorge mir für den nächsten Tag ein Busticktet nach Santiago. Ich habe erstmal die Schnauze voll von chilenischem Sommertourismus im Februar. Die Gegenden, die gut erschlossen sind und die man ohne Auto machen kann, sind so wie Pucon. Und die anderen sind teuer, ausgebucht und abgelegen. Chile im Sommer also nur mit Auto und Campingausrüstung!!!!!

Noch mal ein nettes Beispiel des deutschen Einflusses in Chile. Ein Hersteller von Zweirädern heisst schlicht “Motorrad”:

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Cochamo – good vibrations

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In Cochamo habe ich mal wieder einen Glücksgriff getan.

Von der Halbinsel Chiloe kommend habe ich zwei Nächte einen Zwischenstopp in Puerto Varas gemacht, ein Städtchen mit einiger touristischer Infrastruktur, das mich allerdings nicht begeistert hat. Es war auch etwas kühl und regnerisch und direkt vom Ort aus konnte man nicht so viel unternehmen. Ich wollte aber gerne wohin, wo es schön ist und man direkt von einer Basisstation aus loslaufen kann.

Und so einen Ort habe ich zwei Stunden entfernt von Puerto Vara gefunden. Das Eco-Hostal las Bandurrias in Cochamo. Ein schweizerisch-chilenisches Paar haben das Haus vor zwei Jahren nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut (natürliche Baumaterialien, gute Dämmung, effiziente Holzheizung, Solaranlage und eine eigene biologische Kläranlage). Sie haben ein kleines Kind und teilen quasi mit den Gästen ihr Wohnzimmer. Man ist also gleich ein Teil der Familie und die Gäste, die sie anziehen, sind auch angenehm. So haben sich interessante Gespräche und Kontakte ergeben.

Ein Paar habe ich dort kennen gelernt, die von Kalifornien aus mit dem Motorrad bis Feuerland unterwegs sind. Franz ist 55 und stammt ursprünglich aus Deutschland, Bayern und im Gespräch stellen wir fest, das er in Fürstenfeldbruck aufgewachsen ist, in dem Städtchen in der Nähe von München, wo ich 18 Jahre gearbeitet habe. Er ist allerdings vor 30 Jahren bereits aus Deutschland weg und hat abwechselnd in Kalifornien und auf Bali gelebt. Dort hat er auch seine 20 Jahre jüngere Freundin Jenna kennen gelernt, mit der er zumindest teilweise auf seiner Reise unterwegs ist. Mit beiden habe ich gleich einen guten Draht:

Nach zwei Übernachtungen breche ich erst mal auf ins Cochamo-Valley, einem wilden Seitental, das wegen seinen steilen Felswänden mit dem Yosemite-Park in Kalifornien verglichen wird. Ebenfalls ein Kletterer-Eldorado, aber noch viel ursprünglicher. Silvie vom Hostel leiht mir für einen sehr günstigen Preis ihr Campingequipment und so bin ich gerüstet ein paar Tage im Tal zu verbringen. Ich freue mich, dass ich Franz und Jenna dort wieder treffe und wir verbringen zwei Tage gemeinsam, kochen und wandern zusammen. Es herrscht eine grosse Vertrautheit zwischen uns die Gemeinschaft tut mir gut. Ich habe so das Gefühl, dass ich die beiden nicht zum letzten Mal sehen werde. Franz fängt in wenigen Wochen an auf Bali ein Gemeinschaftsprojekt in der Nähe von Ubud zu bauen. Vielleicht werde ich mir das irgendwann mal anschauen….

Wir übernachten im Campo Aventura und schon der 5 stündige Anmarsch ist abenteuerlich und zum Schluss muss der Fluss mit einer einfachen, handbetriebenen Seilbahn überwunden werden. Die Wanderung in Richtung Arco-Iris-Gipfel hat es auch in sich. Es ist mehr eine Kletterei durch die Wildnis, ab und zu mit Seilen gesichert, aber durch die Pflanzenvielfalt, die Ausblicke und die nette Gesellschaft ein tolles Erlebnis:

Den letzten Tag lasse ich noch am Fluss, badend und lesend vor sich hin plätschern, während die anderen beiden schon wieder zurück gelaufen sind.

 


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